2026
Winterthur

Farbbeton als Gestaltungselement im öffentlichen Raum

Im Zuge der Aufwertung des Bahnhofumfelds Grüze in Winterthur erhält der neue Minervaplatz eine markante Gestaltung mit eingefärbtem Beton. Statt einer ursprünglich vorgesehenen Asphaltoberfläche prägen künftig zwei unterschiedlich eingefärbte Betonflächen den Stadtraum und verleihen dem Platz einen eigenständigen Charakter.

PROJEKTBESCHRIEB

Mit der Entwicklung des Stadtteils Neuhegi-Grüze entsteht in Winterthur eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsgebiete des Kantons Zürich. Im Umfeld des Bahnhofs Grüze wird die bestehende Verkehrsinfrastruktur optimiert und der öffentliche Raum neu gestaltet. Ein zentrales Element dieses Vorhabens ist die Querung Grüze und der Minervaplatz am Knoten Talackerstrasse.

Im Rahmen einer Vertiefungsstudie wurde beschlossen, die ursprünglich geplante schwarze Asphaltfläche durch eine hellere Betonoberfläche mit Farbbeton zu ersetzen. Ziel war es, dem Platz eine höhere Aufenthaltsqualität zu verleihen und seine Funktion als wichtiger urbaner Orientierungspunkt sichtbar zu machen. Gleichzeitig sollte der geschichtliche Bezug zum historischen Dampfschiff Minerva, dem Namensgeber des Platzes, gestalterisch aufgenommen werden.

Die Oberflächengestaltung mit zwei unterschiedlich eingefärbten Betonen verleiht dem Platz eine unverwechselbare Identität und hebt ihn deutlich vom umliegenden Verkehrsraum ab. Der Farbbeton wird damit zu einem wichtigen Gestaltungsmittel, das Funktion und Architektur miteinander verbindet.

ANFORDERUNGEN / HERAUSFORDERUNGEN

Der Bauherr wünschte sich eine helle und hochwertige Platzgestaltung, die sich deutlich von konventionellen Asphaltflächen unterscheidet und den städtebaulichen Anspruch des Projekts unterstreicht. Gleichzeitig musste die Oberfläche den hohen Belastungen eines stark frequentierten Verkehrsraums standhalten und dauerhaft ein gleichmässiges Erscheinungsbild bewahren.

Bei Farbbeton spielen viele Einflussfaktoren eine Rolle. Neben der Auswahl geeigneter Pigmente beeinflussen auch die Farbe des Zements, verwendete Gesteinskörnungen sowie weitere Zuschlagstoffe das spätere Erscheinungsbild. Um den gewünschten Farbton zuverlässig zu erzielen, sind umfangreiche Musterversuche und eine präzise Abstimmung aller beteiligten Partner erforderlich. 

Besondere Aufmerksamkeit galt zudem der Sicherstellung einer gleichbleibenden Farbwirkung über die gesamte Platzfläche hinweg. Farbabweichungen, unterschiedliche Verarbeitungsbedingungen oder Schwankungen in den Ausgangsmaterialien können das optische Gesamtbild beeinflussen und mussten bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Die enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Planern, Betonwerk und Betontechnologen war deshalb ein entscheidender Erfolgsfaktor.

SPEZIELLES ZU DIESEM OBJEKT

Der Minervaplatz zeigt exemplarisch, wie Farbbeton funktionale Infrastruktur und hochwertige Stadtgestaltung miteinander verbindet. Während Beton im Verkehrswegebau häufig ausschliesslich als technischer Baustoff wahrgenommen wird, übernimmt er hier zusätzlich eine identitätsstiftende Rolle. Die differenzierte Farbgestaltung macht den Platz als eigenständigen Ort erlebbar und unterstützt seine Funktion als zentrale Querungsstelle im wachsenden Stadtteil Neuhegi-Grüze. Das Projekt verdeutlicht zudem das Potenzial von Farbbeton im öffentlichen Raum. Durch die gezielte Verbindung von Funktionalität, Dauerhaftigkeit und Gestaltung können urbane Flächen geschaffen werden, die sowohl infrastrukturellen Anforderungen als auch architektonischen Ansprüchen gerecht werden.

SIKA LÖSUNGEN

Bereits in der Planungsphase unterstützte Sika die Projektbeteiligten bei der Auswahl und Entwicklung des gewünschten Farbkonzepts. Anhand verschiedener Musterflächen konnten die vorgesehenen Farbtöne beurteilt und verfeinert werden. Dadurch erhielt der Bauherr eine verlässliche Grundlage für die endgültige Farbentscheidung. Für den eingefärbten Fahrbahnbeton wurde eine speziell abgestimmte Betonrezeptur entwickelt, die vollständig auf Sika-Technologien basiert. Durch die Kombination aus Pigmenten, angepasster Zementzugabe und einer optimierten Betonzusammensetzung liessen sich sowohl die gewünschte Farbwirkung als auch die erforderlichen Frisch- und Festbetoneigenschaften sicherstellen. 

Zum Einsatz kamen Sika® ColorCrete Farbpigmente. Diese ermöglichen eine dauerhaft homogene Einfärbung des Betons und eröffnen Architekten und Planern vielfältige gestalterische Möglichkeiten. Je nach Kombination von Pigmenten, Zementart und Zuschlagstoffen lassen sich unterschiedlichste Farbnuancen realisieren – von dezenten Naturtönen bis hin zu markanten Akzentfarben. Die Oberflächen wurden zusätzlich abgeschliffen. Dadurch kommt der Charakter des eingefärbten Betons besonders zur Geltung.

Farbbeton erweitert die Möglichkeiten des klassischen Sichtbetons. Während Sichtbeton bereits durch Oberflächenstruktur, Schalung und Nachbearbeitung architektonisch gestaltet werden kann, eröffnet die Einfärbung zusätzliche Freiheiten in der Gestaltung von Stadträumen, Plätzen und Infrastrukturprojekten. Farbige Betonflächen können Orientierung schaffen, Bereiche gliedern oder historische und kulturelle Bezüge sichtbar machen, ohne dass zusätzliche Materialien erforderlich sind.

Am Projekt Beteiligte:

Auftraggeber:
Stadt Winterthur, Tiefbauamt

Ausführende Unternehmung:
ARGE IL Grüze, c/o Implenia Schweiz AG

Betonlieferant:
JURA Materials Kies & Beton AG, Werk Winterthur

Systemlieferant / Fachberatung:
Sika Schweiz AG