Jürg Schlump, Corp. Target Market Manager Concrete

Was war die schwierigste Herausforderung?

Zur Zeit der Präqualifikation 1996 wurden vom Bauherrn Verarbeitungszeiten des Betons bei > 25°C von sechs Stunden mit nachfolgender Frühfestigkeit gefordert. Während der Bauausführung wurde diese Anforderung durch den Unternehmer noch auf acht Stunden Pumpbarkeit erhöht. Das war absolut einmalig zu dieser Zeit. Durch die äusserst intensive Zusammenarbeit zwischen dem verantwortlichen Unternehmer, der Sika Betontechnik undder Forschung & Entwicklung der Sika, konnten diese Anforderungen während der gesamten Ausführungsphase immer zielsicher erreicht werden. Schlussendlich waren diese Projektanforderungen auch der Startpunkt der heute so erfolgreichen Sika ViscoFlow® Produktreihe!

Was war das einprägsamste Erlebnis?

Als ich 1993 als Produktingenieur Betonzusatzmittel in die Sika eintrat, verging gerade mal ein Jahr bis ich mit dem Gotthard-Projekt in Kontakt kam. Es ging um frühhochfesten Beton im Sondierstollen Piora. Hier konnten wir mit Sikament® HE-200 eine kundengerechte Lösung entwickeln und den Auftrag für uns gewinnen. Schon damals hatte ich Tage (und Nächte) auf der Baustelle verbracht. Später, während des Präqualifikationsverfahrens ab 1995, wurden daraus ganze Versuchswochen im Versuchsstollen Hagerbach zur Ausprüfung unserer Hauptbetonsysteme. Ab Ende 2001 begannen dann die “wirklichen” Betonarbeiten im Tunnel, wo Mitarbeiter meines Teams diese Vorarbeiten in die Realität umgesetzt haben. Die folgenden Jahre waren für mich dann eher mit Besprechungen zu Möglichkeiten und Grenzen der Systeme am Gotthard gefüllt. Das alles endete für mich am 15. Oktober 2010 mit dem Durchstich zwischen Sedrun und Faido. Während 15 Jahre hat mich der Gotthard-Basistunnel beruflich begleitet und auch geprägt; fast alles ist möglich!

Michael Vorwerk, Produktingenieur

Was war die wichtigste Erfahrung?

Eine meiner Aufgaben war es, die Betonrezeptur für den Innenring in Sedrun zu optimieren, so dass die Festigkeiten zum Ausschalen früher erreicht werden, ohne dass die Verarbeitungszeit kleiner wird. Bei dieser Fragestellung merkten wir bald, dass es im Labor unmöglich war die Baustellenbedingungen vernünftig nachzustellen. Wir fokussierten uns nach kurzer Grob-Evaluation im Labor rasch auf Feldversuche vor Ort.

Was war die schwierigste Herausforderung?

Die oben erwähnten Betonversuche auf der Baustelle mussten bei der Betonanlage am Schachtfuss neben dem laufenden Baubetrieb durchgeführt werden. Ein Versuch dauerte mindestens vier Stunden, vieles war schwer planbar und wir mussten auch mal kurzfristig improvisieren. Die grösste Herausforderung war dabei trotzdem an alles zu denken und die Versuche so gut vorzubereiten, dass dabei Ergebnisse resultierten, welche untereinander vergleichbar waren.

Christian Anderrüthi, Verkaufsleiter Tunnelbau

Was war das einprägsamste Erlebnis?

Das war 2000 erst ca. 4–5 Monate nach dem Start des Zugangsstollen Faido. Nach dem Abschlag (es wurden rund drei Meter Tunnel weggesprengt) bin ich mit dem älteren und erfahrenen Bauleiter der Firma Amberg, Franz Walker, Richtung Ortsbrust gegangen und dort mit ihm auf das frisch abgeschlagene Ausbruchmaterial gestiegen. Franz hatte eine Kluft gesehen und dort Mineralien vermutet. Der Haufen aus gebrochenem Fels war gefährlich zu besteigen da die Bruchkanten und Ränder zum Teil messerscharf waren. Als Franz und ich dann direkt an der offenen und ungesicherten Ortsbrust standen und er mit dem Hammer die Kluft bearbeitete gab es einen lauten Knall. Ca. ein Meter hinter uns fiel ein rund 2–3 m2 grosses Stück Fels von 25–30 cm Dicke von der First auf den Schutterhaufen herunter. Ich habe mich so erschrocken, dass ich weiche Knie bekam und nicht mehr ohne die Hilfe von Franz vom Schutterhaufen heruntersteigen konnte. Seit diesem Erlebnis halte ich mich nur noch selten und ungern im ungesicherten Bereich im Vortrieb auf. Ich erlebte am eigenen Leib wie gefährlich die tägliche Arbeit für Mineure und Tunnelbauer ist und weshalb sie regelmässig der Schutzpatronin, der Heiligen Barbara, danken. Wenn ich unter Tage gehe, habe ich grossen Respekt vor dem Berg und feiere am 4. Dezember mit den Mineuren zusammen das Fest der Heiligen Barbara. Ab und zu bekreuzige ich mich auch vor der gesegneten Statue die in jedem Stollen oder Tunnel im Portalbereich zu finden ist.